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Donnerstag, 04.03.2010, 07:44

Allerorts sieht man sich neuerdings nach der Schneeschmelze schon flächendeckend auf den urbanen Mini-Greens umzingelt von derartigen Slogans und wird von allgegenwärtigen Plakatständern Exkrementen -mäßig zugetextet.

Selbst als völlig hundeloser Passant gibt es kein Entrinnen vor dieser Kampagne, deren kakophonische Lautmalerei einen bis ins intrinsischste Unterbewusstsein indoktriniert, sich über allgemeine Bemmerl -Aversionen zu agitieren…

Und als Hundebesitzer per se ist man sowieso ständig nur mehr von dauerschlechtem Gewissen zerfressen, weil so ein Hunzi ex natura nun einmal kein keimfreies Wesen ist (warum eigentlich nicht?), das fallweise auch zu urinieren geruht…

Auch das ist nicht überall erwünscht. Vielleicht wäre ein Tackerl für´ s Lackerl auch noch mitzuführen?

Was reimt sich denn nun nicht alles auf dieses vermaledeite …Gackerl!

Einmal abgesehen von den Raum ergreifenden Latrinen- Sackerln verleitet einen dieser Verniedlichungs-Slang zu einem Weiterspinnen dieser hirnbefreiten Sprechweise:

„Na du kleines Dackerl, bist ein Rackerl?“
Oder aber: „Mach ma krauli krauli da im Nackerl?“
Und noch besser:
„Machst dei Lackerl glei aufs Tackerl?“
„Und des Gackerl glei ins Sackerl?“

Dieses Headbanging hat sich in meinen Zerebralwindungen fortgesetzt und mündet nun in situationselastischen Statements wie:

„Uiuiui, jetzt wird´ s g´ fährlich,
na simma sich ehrlich!“

Schlimmer kann es ja nimmer kommen…
Auf ein derartig geistiges Souterrain-Niveau abzusinken, bedeutet wirklich, die letzten Hemmungen in Sachen Unterhaltungschemie über Bord zu werfen!

Man munkelt, dass es sogar trendy geworden sein soll, mit derartigem Fachvokabular seine Geburtstags-Einladungs-Postille zu versenden! Der bedeutungsschwangere Ruf zur Fete ist in flotter New-Age-Sprache abgefasst: „40 Jahre sind ka Bemmerl…!“

Na? Das hat doch Stil, was? Naja, jeder hat halt so sein Mackerl…!

Diese Verbal - Diarrhoe macht selbst vor dem Weihnachtsgeschäft nicht Halt. Im Zuge des Umweltschutzes wird es ja immer populärer, kein Geschenkpapier mehr zu verwenden, dafür aber hübsche Säckchen!


Wir freuen uns auf neue Schilderwälder:

Nimm ein Sackerl für Dein Packerl!



Wir lieben sie doch, unsere doggy friends, haben wir doch also bitte auch ein Herz für Männer... ;)))


Donnerstag, 25.02.2010, 07:43

Immer wieder ist es erregend (im wahrsten Sinne des Wortes), mich welcher Grandezza sich das bei mir hausende Völkchen zu den gemeinsamen Mahlzeiten begeben MÖCHTE, sprich: es findet nur ansatzweise statt.

Gedanken sind ja bekanntlich frei, also gilt für jeden die Unschuldsvermutung. Doch hin und wieder ist es unaufhaltsam, dass sich allfällige kommunikationsfeindliche Utensilien bis an den heiligen und von der Hausfrau mit besonderer Sorgfalt gedeckten Frühstückstisch unbemerkt durchschwindeln können.

So gesehen letzten Sonntag, als der Hausherr gut ausgeschlafen in sportlich salopper Bekleidung ( nähere Beschreibung wurde zensuriert…) mit einem Stapel Zeitschriften UND einem Laptop bewaffnet den Frühstückstisch anpeilte. Gameboy und Ipod der Jungsprosse konnten gerade noch gefilzt werden, bevor sie an die Stätte des Morgengelages gelangen konnten.

“Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich?“, entgegnet ihnen finster…na Sie wissen schon, der Hausdrachen.

„ Die Stadt vom Tyrannen befreien!“
Moment mal. So eine Bodenlosigkeit! Wer ist gemeint? Nur weil man sein Territorium verteidigt und gegen Gesprächsverarmung kämpft? Gegen eine total verkabelte, unansprechbar gewordene Welt, die nicht mehr bereit ist, an einem Tisch miteinander zu reden, aber sich allzeit von einem Klingelton in irgendein x-beliebiges Nonsense - Telefonat beamen lässt? Oder in allen Netzen dieser Erde surft, nur nicht im heimischen Diskursparkett?


„ Das sollst du am Kreuze bereuen!“ Na warte.

Der Adrenalinlevel ist gleich hinaufgepusht und das fröhliche Ärgern kann losgehen: Doch die Zeitung an meinem Tisch nimmt keinerlei Notiz davon. Der Sportteil muss ungeheuer faszinierend sein… Und die Kinder piepsen und blöken ihren Geräten zu…

Wie hat doch gleich mein neuer, ungemein knackiger Therapeut gemeint?
„Sie müssen Gelassenheit üben! Take it easy!“

Zugegeben ein neuer Aspekt, den es zu durchleuchten gilt. Vielleicht ist Reden echt out, elektronisch-asketisches Sich-Zurückziehen der neue Stil des Yogi…

Na wartet, wozu hat frau denn ein Handy?
Ich ruf meine Leute einfach am Frühstückstisch an, vielleicht spricht DANN einer mit mir?

und der ist leider wieder ziiiiemlich böööse... ;D


Donnerstag, 18.02.2010, 07:37

Heute möchte meine zutiefst-österreichisch-larmoyante Seele gerne schon seit dem Morgengrauen jammern. Ist es das kalte Eiswetter, der hängende Nebelhimmel, das fehlende Sonnenlicht, oder einfach alles zusammen, was heute auf mein Gemüt drückt? Am liebsten würde ich meinen angeödeten Kopf in einen der grauen Schneehaufen vor der Tür stecken und friedvoll vor mich hin granteln.

Missmutig grapsche ich nach der Zeitung. Wir zählen heute Tag sieben nach dem Opernball. Noch immer türmen sich in den Gazetten die Berichte über „wer mit wem?“, „warum?“, „weshalb?“ und überhaupt. Es wimmelt nach wie vor von Bambis, Katzis, Mausis und dem ganzen (Streichel-?) Zoo.

Angewidert muss ich an die Katastrophe von Haiti denken. Keine Zeile mehr darüber, was dort noch immer an Grauen, Leid und Schrecken herrscht. Wie viele Menschen dort noch immer Tag für Tag ihr Leben riskieren, um zu helfen. Wie viele Leute dort hingefahren sind, ohne zu zögern, um Menschen, die sie nicht kennen, unter Einsatz ihres Lebens Trost und Hilfe zu spenden. Und nachher noch Monate und Jahre brauchen werden, um die schrecklichen Bilder aus ihren Träumen zu bewältigen, die ein Mensch gar nicht fassen kann!

Plötzlich schrillt mich das Telefon aus meiner Gedankenlatrine. Ich soll ins Pflegeheim kommen, ein naher Verwandter scheint einen Schlaganfall erlitten zu haben.

Dort erwartet mich ein Anblick, der meiner Missmutigkeit sofort einen gewaltigen Schlag in die Magengrube versetzt: Es ist schon brutal, wie man urplötzlich abhängig werden kann von der Pflege und Zuwendung anderer Menschen! Wie kleinste Dinge des täglichen Lebens zu Hürden werden. Unüberbrückbar. Ohne Hilfe keine Chance...

Da betritt eine Dame vom Pflegedienst den Raum. Unmittelbar geht die Sonne auf. Diese Frau durchflutet das karge Patientenzimmer mit ihrer Wärme derart, dass einem das Herz aufgeht! Liebevoll tätschelt sie dem armen Kranken den Arm, schenkt mir ein atemberaubendes Lächeln, das von einer unbeschreiblichen Herzenswärme nur so sprüht, dass man aufblüht, wie eine Knospe in der Sonne.

Verflogen sind Grant und Mieselsucht, sie weichen tiefer Dankbarkeit. Sie fallen in sich zusammen wie der Schatten, wenn ihn das Sonnenlicht überflutet.

Tief berührt danke ich der Frau aus ehrlicher Bewunderung für ihre Herzensbildung. Der Satz, den sie mir aus innerster Überzeugung entgegenlacht, beschämt mich erneut zutiefst:

„Wissen Sie, jeder Mensch hat ein RECHT darauf, einmal so pflegebedürftig zu werden, und es ist unsere Pflicht, ihn dabei unter Wahrung seiner Würde zu begleiten!“

In Demut begegne ich meinem gesegneten Leben aufs Neue. Dankbar beschließe ich, es heute noch den wunderbarsten Tag meines Lebens werden zu lassen.

Es ist nicht entscheidend, welche Wege wir gehen, sondern vielmehr welche Spuren wir hinterlassen. Oh Happy Day!


musste doch glatt weinen beim Anhören... da sitzt übrigens auch Thomas Gottschalk drin! ;)